kolumne "nachgeforscht"

Alkoholfreier Sekt – eine Alternative in der Schwangerschaft ?

Das Fetale Alkoholsyndrom (FAS) ist in Deutschland die häufigste Ursache für geistige Behinderungen. Zu viel Alkohol in der Schwangerschaft führt u.a. zu Wachstumsstörungen und Minderentwicklung des Gehirns – alles nicht therapierbar. Wer das einmal gesehen hat, diskutiert nicht mehr um Grammzahl in der Schwangerschaft. Safe ist - nichts zu trinken. Denn das Ungeborene trinkt bei jedem Glas mit. Ethanol passiert nämlich die Plazenta-Schranke zwischen mütterlichem Gewebe und dem Fetus. Dieses feine Sieb hält viele Schadstoffe ab, Nährstoffe und Alkohol können passieren. Die kindliche Leber baut Alkohol aber nur unzureichend ab, da bei ihr weder die zum Abbau notwendige Alkoholdehydrogenase (ADH) noch die Aldehyddehydrogenase (ALDH) ausreichend entwickelt sind.  

Als wahrscheinlich gilt, dass bei einem Konsum von 60 Gramm Alkohol pro Tag schwere Formen des FAS entstehen. Bei wenig bis moderatem Konsum (bis 20 g täglich) sind die Auswirkungen unklar, zumal der Fetus in bestimmten Entwicklungsstadien mehr oder weniger sensibel reagiert. Daher sollte es keine Frage sein, in der Schwangerschaft generell auf Alkoholisches zu verzichten.

Sind alkoholfreier Sekt oder Wein eine Alternative? Denn Alkoholfrei ist nicht gleich frei von Alkohol. Alkoholfreier Sekt, Wein, Bier darf bis zu 0,5 Volumenprozent Alkohol enthalten, was nicht deklarierungspflichtig ist. Das bedeutet: Maximal 4 Gramm Alkohol im Liter und somit 0,4 Gramm Alkohol in 100 ml. Schadet dem ungeborenen Kind das Glas Sekt?

Ich recherchiere, wie viel Ethanol in Medikamenten ist. So enthalten Hustentropfen, wie Prospan 47,5 Volumenprozent. Macht bei der üblichen Dosierung von 1 ml 0,38 Gramm Alkohol. Buerlecithin oder Doppelherz mit 16,4 bzw. 17 Volumenprozent servieren bei den empfohlenen 20 ml ganze 2,6 bzw. 2,9 Gramm. Auch verschiedene Nahrungsmitteln enthalten Alkohol. So weisen Apfel- oder Traubensaft bis 1 Volumenprozent auf; das wären bei einem Viertelliter-Glas 2 Gramm Ethanol. Oder  Sauerkraut und reife Bananen: bis 0,8 Gramm bzw. 0,5 Gramm Alkohol in 100 Gramm. Sogar eine Scheibe Brot hat bis 0,2 Gramm. In diese Reihe fügt sich alkoholfreier Sekt ganz gut ein.  

Wieviel Ethanol ist im Blut messbar nach Einnahme eines „alkoholfreien“ Getränks? Eine Studie beschreibt einen Trinkversuch mit 67 Probanden. Sie tranken in einer Stunde 1,5 Liter alkoholfreies Bier mit 0,41 Volumenprozent. Nach viertel- und halbstündigen Blutentnahmen waren bei 30% (20 von 67) Testpersonen eine Blutalkoholkonzentration bestimmbar. Der maximale Wert betrug 0,0056 Promille. 70% zeigten 0,0000 Promille. Wenn man bedenkt, dass auch das menschliche Blut Alkohol enthält, und zwar in Konzentrationen von 0,002 - 0,003 Prozent - ohne die Einnahme von Alkohol - ist dies in der Tat vernachlässigbar.

Aus rein biologischer Sicht besteht keine Gefahr, durch alkoholfreie Getränke bzw. mit Alkoholgehalten von bis zu 0,5 Volumenprozent dem Kind zu schaden. Damit ist alkoholfreier Sekt durchaus eine gute Alternative in der Schwangerschaft. Und nicht nur dann.

Selbst aus einem Weingut. Meine Mutter trank sicher auch mal ein Glas mit, als ich unterwegs war. Obgleich vom preußischen Gardemaß weit entfernt, bescheinigen mir ab und an wohlmeinende Menschen, nicht mehr Macken als andere zu haben.

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