Kolumne "Nachgeforscht"

Genuss ohne Reue

Ob auf dem Mainzer Weinmarkt oder der Weinkerwe in der Pfalz – ohne Wein geht da wenig. Geselligkeit, Genuss, Spaß. Letzterer hört allerdings auf, wenn es um´s alkoholisierte Autofahren geht.

Das war auch Thema zum Auftakt der DON´T DRINK AND DRIVE (DDAD)-Kampagne in einer Mainzer Berufsschule unter Schirmherrschaft des rheinland-pfälzischen Ministers für Verkehr und Weinbau. Die Schüler hatten ihren Spaß daran, Politiker und Schulleiter beim Kampf mit der Hindernisfahrt im Fahrsimulator zu sehen und wie mit zunehmender (simulierter) Promillefahrt der Tunnelblick eintrat und sich Reaktionszeiten auch bei gestandenen Mittelalterlichen reduzierten. 

Ob jung oder alt - mit der Alkoholmenge im Blut steigt die Gefahr. Ab 0,5 Promille lässt bei den meisten das Koordinationsvermögen nach, weshalb hier die gesetzliche Promillegrenze liegt. Allerdings kann man auch schon ab 0,3 Promille wegen Trunkenheitsfahrt belangt werden, wenn man Nachbars Gartenzaun mitnimmt. Für Fahranfänger gilt die Null-Promille, da diese nachweislich am meisten in alkoholbedingte Unfälle involviert sind. Neben der jugendlichen Selbstüberschätzung ist dies vor allem der mangelnden Fahrpraxis und den stärkeren Alkoholwirkungen geschuldet. Diese gestaffelte Promillegrenze ist eine gute Lösung und wird den individuellen Gegebenheiten gerecht.  

Null Promille für die Hauptgefahrengruppe der jungen Autofahrer – darauf liegt der Fokus von DDAD. Da der Absender der Kampagne die Produzenten aller alkoholischen Getränke sind, wird immer wieder kritisch nachgefragt: Wie passt das zusammen? Berechtigtes Verkaufsinteresse legaler Genussmittel und die Empfehlung zu deren Verzicht für bestimmte Personengruppen. Letzteres ist das Entscheidende: Bestimmte Gruppen. Dazu gehören neben Schwangerschaft auch die Anfänger im Straßenverkehr.  

DDAD ist kein Feigenblatt der Wirtschaft. Es gehört zur Produktverantwortung und zum nachhaltigen Wirtschaften. Nur so kann eine Genusskultur erhalten werden, die für alle Branchen existentiell ist. Kein Winzer, Brauer, Brenner produziert Alkohol (der ist zum Desinfizieren da), sondern alkoholhaltige Genussmittel mit Kulturwert. Damit das so bleibt, wird DDAD flankiert von branchenspezifischen Initiativen für einen bewussten, moderaten Umgang mit Wein, Sekt, Bier und Spirituosen.  

DDAD setzt - fernab jeglicher Zeigefinger - auf Einsicht und Risikokompetenz vor allem der jungen Fahrer. Dass dies funktioniert, zeigen auch die seit Jahren rückläufigen alkoholbedingten Unfälle. Dies ist sicher nicht nur, aber auch DDAD zu verdanken. Fragen Sie mal junge Menschen aus ihrem Familien- und Freundeskreis, ob sie DDAD kennen. Sie werden über den hohen Bekanntheitsgrad erstaunt sein. Ein guter Indikator für Erfolg. 

DDAD ist ein Vorzeige-Beispiel dafür, dass es gesamtgesellschaftliche Lösungen für soziologische Fehlentwicklungen gibt. Wenn alle wollen. Und alle ohne Absenderstigma dürfen. Das gilt für Bildungseinrichtungen, Verbrauchervertretungen, Politik und Wirtschaft gleichermaßen. Politische Schirmherrschaften, wie die des Ministers für DDAD, geben guten Kampagnen den Rückenwind, den sie zur gesellschaftlichen Akzeptanz und damit zum Erfolg brauchen.  

Wenn Sie ein genüssliches Weinfest erlebt haben, genießen Sie es doch, nach Hause chauffiert zu werden.  

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