Kolumne "Nachgeforscht"

Genuss beschert gute Karten

Die immer noch flotte Endachtzigerin spielt leidenschaftlich gerne Bridge, das Kartenspiel für kluge Strategen und Teamplayer. Auch heute noch misst sie sich regelmäßig am eigenen PC im Internet mit internationalen Bridge-Partnern. Und gewinnt nicht selten. Einem guten Schlückchen ist und war sie zeitlebens nicht abgeneigt. Der Rollator steht nur für längere Spaziergänge im Flur.

Da wir immer älter werden, richtet sich das Augenmerk der Forschung auch zunehmend auf die Lebensumstände, die die Errungenschaften der modernen Pharmazie wirkungsvoll unterstützen.

So auch die Wissenschaftler der Universität Florida in der aktuellen Untersuchung, deren Ergebnisse uns moderaten Weinkonsumenten am Anfang des neuen Jahres in die Hand spielen.

Dass moderater Weinkonsum positive Effekte auf die Gesundheit hat, ist vielfach dargelegt und noch mehr diskutiert worden. Das amerikanische Forscherteam bestätigte vorab die stabilen Hinweise über weniger Herzinfarkte und Diabetes. In ihrer Studie lieferten sie zudem weitere Belege dafür, dass moderate Genießer auch im Alter geistig fitter und weniger gebrechlich sind als die, die alles Alkoholische ablehnen.

Hinsichtlich des biologischen Mechanismus spielt neben dem Ausmaß an verkalkten Blutgefäßen zunehmend der Entzündungsgrad eines Körpers eine Rolle. Diesen kann man im Blut messen als C-Reaktives Protein, kurz CRP. Die CRP-Blutwerte sind bei Entzündungen erhöht. Dass Alkoholika dieses Protein senken und damit entzündlichen Prozessen entgegenwirken, wurde mehrfach gezeigt, sein Bezug zur Altersschwäche war allerdings offen. Nach den vorliegenden Studienergebnissen von 3229 US-Amerikanern über 65 scheint nun der CRP-Spiegel aber auch ein so genannter Biomarker für Altersschwäche zu sein.

Die Forschergruppe konzentrierte sich bei der Auswertung der Daten

  • auf das CRP des Blutes,
  • auf den Grad der Gebrechlichkeit und
  • auf das Quantum Alkohol, das die Studienteilnehmer über acht Jahre hinweg zu sich nahmen.

Die Gebrechlichkeit wurde anhand eines etablierten Verfahrens bestimmt, das auf praktischen Fragen basiert, wie z.B. Was kann ich noch heben? Wie flink komme ich aus dem Sessel? Wie schnell fühle ich mich müde und erschöpft? Als moderat galt, wer täglich bis zu 24 Gramm Alkohol, entsprechend maximal zwei Gläsern Wein, Bier und Co zu sich nahm.

Ergebnis in Kurzform: Die moderaten Genießer zeigten statistisch signifikant niedrigere CRP-Spiegel und waren weniger gebrechlich.

Die Forscher bestätigen damit zum einen, dass der Entzündungsgrad eines Körpers wichtige Aufschlüsse über das Ausmaß der Altersschwäche gibt und zum anderen, dass der CRP-Entzündungswert einen Ansatz liefert für den Wirkmechanismus, wie moderater Konsum alkoholischer Getränke altersbedingte Gebrechlichkeit positiv beeinflussen kann.

Wenn man selbst zum Mittelalter gehört, hat man zunehmend noch ältere Menschen um sich. Das liegt in der Natur der Sache, erweitert aber auch den Horizont. Alt werden wollen wir alle, aber keiner will alt sein. Jung alt werden im Sinne von reflektierter Weisheit aus dem Erlebten aber auch im Sinne von körperlicher und geistiger Frische, das ist es, worauf es in den letzten Jahren ankommt. Wir Weintrinker haben wie unsere Bridge-Spielerin gute Karten.

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