Kolumne "Nachgeforscht"

NAFLs und TOFIs

Dass die Leber an ihren Aufgaben wächst, ist bekannt. Wer denkt dabei nicht zuerst an Alkohol? Oder Schweinshaxe. Aber wissen Sie, dass viel häufiger Kohlenhydrate, also Zucker, zu einer Fettleber führen? Mucksmäuschen still verfolgen 130 Ernährungsexperten auf dem Dresdener Kongress den Ausführungen des Professors. Das Stirnrunzeln der von Berufs wegen kritischen Zuhörerschaft ist fast zu hören. Leber und Alkohol – eine in die Köpfe gemeißelte unheilvolle Verbindung. Und dann noch die Weinwirtschaft als Absender der Veranstaltung. Aber keiner verlässt den Saal. 

Es geht um eine neue Volkskrankheit – die NICHTALKOHOLISCHE FETTLEBER, kurz NAFL. Wie kommt das Fett in die Leber? Die Antwort liegt im unheilvollen Mix aus zu wenig Bewegung und zu viel Kalorien, letztere vor allem durch Kohlenhydrate in Form von Zucker und Weißmehl. Kohlenhydrate, die nicht verbraucht werden, werden normalerweise umgebaut und als Fett in den bekannten lästigen Depots gelagert. Das Fettgewebe ist allerdings ein umtriebiges Energielager und empfänglich für Störungen. Im Falle der NAFL sind dann die Kohlenhydrate die Störenfriede. Aber eins nach dem anderen.

Um Zucker als Energiequelle nutzen zu können, muss er mit Hilfe des Hormons Insulin zunächst ins Zellinnere geschleust werden. Ist das Blut nun ständig mit Zucker überflutet, werden Unmengen an Insulin ausgeschüttet, auf das die Körperzellen irgendwann nicht mehr ansprechen. Sie stumpfen ab, werden gegenüber Insulin resistent. Dies führt zu komplexen Entzündungen im Fettgewebe, das dadurch kein weiteres Fett mehr speichern kann. Die Fettzellen laufen über und das freie Fett lagert sich an Stellen ab, die nicht als Fettspeicher taugen, bevorzugt in der Leber. Die Nichtalkoholische Fettleber ist entstanden. Damit leider nicht genug. Denn die NAFL ist die ernährungsmedizinische Zeitbombe für Diabetes, Arteriosklerose und Herzinfarkt.

Der Professor betont, dass es bislang kein Medikament gegen NAFL gebe. Es hilft nur gezielte Bewegung und ein besseres Ess- und Trinkverhalten, damit sich die Insulinresistenz zurückbildet und sich die Leber entfetten kann. Und dazu kann der moderate Weingenuss beitragen. Erleichterung. Mit klarer wissenschaftlicher Evidenz zeigt er, wie bei Ethanol-Mengen bis zu 35 g pro Tag die Körperzellen wieder empfänglich für Insulin werden. Wein habe sich wegen der zusätzlichen phenolischen Substanzen als besonders geeignet gezeigt. Mehr als ein Viertel Liter sei allerdings nicht zu empfehlen. Ein ständiges Zuviel an Alkoholischem jeder Art erhöhe zweifelsfrei die Gefahr für die ALKOHOLISCHE FETTLEBER. Ein schmaler Grat.

Wir sitzen noch bei einem Sachsen-Goldriesling zusammen und diskutieren den Teufelskreis Übergewicht. Eine Leberfasten-Auszeit wäre auch für mich gut, meint der Professor. Upps. Sehe ich nach verfetteter Leber aus? Obwohl Dicke mit über 70% betroffen sind, helfe normalgewichtig zu sein alleine nicht. Denn jeder siebte Schlanke sei ein so genannter TOFI (= Thin Outside, Fat Inside) und habe eine NAFL. Entscheidend sei nämlich das innere Fett, das sich von außen unsichtbar in der Leber „verirrt“ hat. Obwohl sich mein Zuviel an Gaumenfreuden erfahrungsgemäß an sichtbare Stellen verirrt, ich mich gerne bewege und noch lieber ein Glas Wein trinke, werde ich nachdenklich.

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