Kolumne „Nachgeforscht“

Schnapsidee mit Folgen

Der Likör mit Jostabeeren-Saft, dessen Markenname ich mich nicht nur wegen der seriösen Leserschaft geniere zu schreiben, ist bei vielen Jugendlichen beliebt. Verlockend gemacht mit einem F-Wort altgermanischen Ursprungs und dem Slogan Unter 20 Jahren verboten zog er eine öffentliche Rüge des Deutschen Werberats mit empfindlichen Sanktionen nach sich. Grund dafür war der mehrfache Verstoß gegen die selbstverpflichtenden Werberegeln der Bier-Wein-Sekt-Spirituosen-Branche. Denn einmal darf Werbung nicht vorgaukeln, dass ein alkoholisches Getränk sexuellen Erfolg fördert. Und mit der nicht existenten Altersgrenze unter 20 zielte das Getränk gerade auf diejenigen, die gerne schon 20 wären.
Bei jugendgefährdenden Aktionen hört der Spaß auf, weshalb die Spirituosenindustrie vorbildlich hier selbst einschritt.

Da jeder besser vor seiner eigenen Tür kehrt, denke ich an die Mischgetränke aus Rotwein und Koffein mit Bezeichnungen ähnlich unterirdischen Niveaus. Wie das zu einem Produkt passen soll, das einen besonderen Kulturwert für sich proklamiert, ist mir schleierhaft. Es ist natürlich legitimer Teil unserer Marktwirtschaft, mit phantasievoller Werbung auf neue Produkte aufmerksam zu machen. Aber wer mit Diskriminierendem oder Jugendgefährdendem wirbt, dem müssen Grenzen aufgezeigt werden. Dies befürworten auch die meisten Hersteller, ohne sich aber im Klaren zu sein, dass auch weniger drastische werbliche Aktionen den Kommunikationsstandards widersprechen. Ein Beispiel: Sie sind stolz auf Ihren begnadeten Jungkicker und sponsern die neuen Trikots der F-Jugend mit Logo und Schriftzug Ihres Weinguts. Ihre Freude ist kurz. Denn nach der ersten Beschwerde können Ihr Junior und seine Mannschaft ihre Trikots nur noch auf links tragen. Grund ist, dass Weinwerbung im Umfeld von Kindern und Jugendlichen nicht erlaubt ist. Da Unwissenheit nicht vor Ärger schützt, sollten die Akteure der Weinbranche wissen, wie man werben darf. Die Azubis gehen hier voran. Denn jeder junge Winzer oder Küfer, der in den letzten Jahren die Berufschulen in Bad Kreuznach, Ochsenfurt, Neustadt, Freiburg, Heilbronn, Bernkastel oder Oppenheim besucht hat, kennt den Werbekodex aus den WINEinMODERATION-Seminaren. Er weiß auch, dass die Branche damit vorbeugt, dass der Staat eingreift und mit härteren Regeln über das Ziel hinausschießt. Dann sieht Werbung anders aus, wie unsere Winzerkollegen aus Bordeaux schon schmerzhaft erfahren haben. Keine Weinwerbung mit Emotionen. Keine geselligen Runden auf Weingut-Websites. Keine anmutigen Weinköniginnen. Dies würde die Kommunikation über das Kulturgut Wein gravierend ändern.

Obwohl ich nicht Kassandra heiße, rate ich zur Vorsicht. Der „anti-alkoholische“ Grundtenor der Politik ist vorhanden. Die Alkoholkritiker in den Amtsstuben dürfen nicht durch Fehlverhalten in der Branche Argumente frei Haus geliefert bekommen, um die bereits formulierten Entwürfe für Werbeverbote aus der Schublade zu holen. Die selbstverpflichtenden Werberegeln sind unser Trumpf in diesem Spiel. Sie kennen sie nicht? Schütteln Sie mal Ihren WEINBAU! 

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