Wissenschaftlicher Beirat

Wissenschaftlicher Beirat diskutiert neue internationale Trinkempfehlungen

Am 29. Februar 2016 traf sich der Wissenschaftliche Beirat der DWA im schönen Kloster Wasem in Ingelheim am Rhein, u. a. um die neuen Empfehlungen zum Konsum alkoholischer Getränke zu diskutieren, die zu Beginn des Jahres in den USA und in Großbritannien herausgegeben wurden. Prof. Nicolai Worm, München, Ernährungswissenschaftler und langjähriges Beiratsmitglied, stellte die neuen Leitlinien beider Länder vor und erläuterte deren Besonderheiten. Die USA geben mit ihren neuen Dietary Guidelines 2015 – 2020 (Ernährungsrichtlinien, die alle fünf Jahre überarbeitet werden) überwiegend allgemeine Ratschläge für ein gesundes Ernährungsmuster. Was den Konsum alkoholischer Getränke angeht, so heißt es in den kurzgefassten „Schlüsselempfehlungen“ an die amerikanische Bevölkerung: Falls alkoholische Getränke konsumiert werden, sollte dies moderat geschehen – bis zu einem Drink pro Tag für Frauen und bis zu zwei Drinks täglich für Männer. Dies gilt jedoch nur für Erwachsene ab dem gesetzlich erlaubten Konsumalter von 21 Jahren. Ein US-Drink entspricht 14 g Alkohol, also etwa 150 ml Wein (12 Vol. %).

In den Anhängen zu dieser Empfehlung folgen weitere Erläuterungen: So soll niemand mit dem Trinken alkoholischer Getränke beginnen, der es vorher nicht getan hat. Ein risikoreiches Trinkmuster beginne für Frauen ab einem Konsum von 4 Drinks an einem Tag bzw. bei mehr als 8 Drinks wöchentlich und für Männer ab 5 Drinks an einem Tag bzw. ab 15 Drinks pro Woche. Ein solcher Konsum berge ebenso wie das Trinken bei unter 21-Jährigen oder Schwangeren keinerlei Vorteile, es sei vielmehr riskant.

US-Leitlinien beziehen Vorteile in Risikobewertung ein

Obwohl die US-Guidelines nicht explizit auf die gesundheitlichen Vorteile eines leichten bis moderaten Konsums alkoholischer Getränke hinweisen, gehen diese Benefits in die Bewertung des Gesamtsterberisikos ein. Damit erkennen die amerikanischen Richtlinien die so genannte  „J-Kurve“ an, die besagt, dass leichtes bis moderates Konsumieren alkoholischer Getränke mit einem Vorteil für die Gesundheit verbunden ist.

UK-Leitlinien negieren jegliche Benefits

Dies ist der wesentliche Unterschied zu den britischen Guidelines, die sich nur auf das Risiko beschränken. In Großbritannien änderte sich Wesentliches: Erstmals wurden Empfehlungen nur zum wöchentlichen Konsum ausgesprochen und für beide Geschlechter in der gleichen Dosis. Ein UK-Drink entspricht 8 g Alkohol (ca. 80ml Wein). Danach sind als risikoarm sowohl für Männer als auch für Frauen maximal 14 Drinks pro Woche zu bezeichnen. Das entspricht einem wöchentlichen Gesamtkonsum von 112 g Alkohol. Rechnet man die wöchentlichen Mengen auf Tage um, so liegt Großbritannien im internationalen Vergleich im unteren Bereich (siehe Grafik).

Die Empfehlungen basieren auf jener Alkoholmenge, unterhalb der das Risiko für gesundheitliche Gefährdungen als gering („low risk“) eingestuft wird. Wissenschaftlich kurios, weil zwei verschiedene Paar Schuhe: Bei Frauen bezieht sich diese Grenze auf das Risiko für Krebserkrankungen, bei Männern jedoch auf das Unfall- und Verletzungsrisiko.

Zudem erscheint gerade für Großbritannien eine Wochenempfehlung kritikwürdig, da dort – im Gegensatz zu den mediterranen Ländern – nicht mäßig-regelmäßig und zum Essen, sondern eher nur am Wochenende und dann viel getrunken wird. Da die neuen Guidelines zudem dazu raten, mehrere alkoholfreie Tage pro Woche einzulegen und nur an drei oder vier Tagen alkoholische Getränke zu konsumieren, erschien es dem DWA-Beirat eher unwahrscheinlich, dass die neuen Richtlinien zu einem gesünderen Trinkmuster führen werden.

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