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DWA - Deutsche Weinakademie

VERANSTALTUNGEN

Wein und Gesundheit - Mythos oder Fakt?

28. November 2014, 19 Uhr, Sana CardioMed Nord-Colloquium, Lübeck


NACHGEFORSCHT

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+++ Aus gegebenem Anlass weisen wir darauf hin, dass die DWA zur Zeit keine Umfragen durchführt. Dahingehende Anrufe, von denen wir uns ausdrücklich distanzieren, betrachten Sie bitte als gegenstandslos. +++

Fragen & Antworten

Rot- oder Weißwein; welcher ist besser für die Gesundheit?

In Rotwein werden höhere Gesamtpolyphenolkonzentrationen gemessen; Phenole gelten neben dem Alkohol als zweite wirksame Substanzgruppe im kardioprotektiven Geschehen. Zu der großen Gruppe der Polyphenole gehören viele Einzelverbindungen, die den positiven Effekt (die antioxidative Wirkung) mehr oder weniger erfüllen. Untersuchungen weisen darauf hin, dass man im Weißwein mehr dieser effektiveren Substanzen findet. Mit der stärkeren Wirkung der Weißweinphenole sind möglicherweise die Konzentrationsdifferenzen beider Weinarten ausgeglichen. Dies würde auch die Ergebnisse mehrerer klinischer Studien erklären, bei denen kein Unterschied in der gesundheitlichen Wirkung gezeigt werden konnte. So belegen die Erkenntnisse der "Mainzer Weinstudie", dass sich das Infarktrisiko durch deutschen Weiß- und Rotwein gleichermaßen senken lässt. Die klinische Studie wurde unter der Leitung von Univ. Prof. Dr. K. Jung, Universität Mainz, mit Unterstützung der Deutschen Weinakademie durchgeführt. Die ausgiebigen klinischen und blutchemischen Untersuchungen zeigten, dass sowohl deutscher Riesling als auch deutscher Spätburgunder das Risiko für eine Koronare Herzkrankheit (und damit für einen Herzinfarkt) deutlich minderten. Im Endergebnis waren die Wirkungen beider Weinarten vergleichbar, und zwar sowohl beim Aufbau von Schutzfaktoren als auch beim Abbau von kardiovaskulären Risikofaktoren.

Dies zur Medizin. Aber Wein ist kein Medikament und sollte auch so nicht betrachtet bzw. konsumiert werden. Es ist ein landwirtschaftliches Produkt, ein Kulturgut mit Genuss- und Gesundheitswert. Das heißt, der Wein, der am besten schmeckt und/oder am besten zum Essen passt, ist auch aus gesundheitlicher Sicht zu bevorzugen.

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Darf ich nach einem Glas Wein (0,2 l) noch Autofahren?

Prinzipiell gilt, das Auto nach Alkoholgenuss stehen zu lassen und auf andere Transportmöglichkeiten umzusteigen. Denn die Konzentration mancher Menschen lässt auch schon bei einem geringen Blutalkoholwert nach. Also gehen Sie sicher: „Don’t drink and drive“!

Wer nach wie viel Wein noch in der Lage ist, ein Auto zu steuern, ohne sich und andere zu gefährden, ist individuell sehr unterschiedlich. Dennoch gelten auch hier einige biochemische Gesetzmäßigkeiten: Ca. 90-100% des getrunkenen Alkohols werden ins Blut aufgenommen, also resorbiert. Ethanol überwindet alle biologischen Schranken (Blut-Hirn, Blut-Plazenta etc.) Daher ist Atemluft beim Alkoholtest ein guter Prüfindikator.

0,5 Promille-Grenze

Wer ein Kraftfahrzeug im Straßenverkehr mit 0,5 Promille oder mehr führt, handelt ordnungs- und somit rechtswidrig und muss mit den entsprechenden Rechtsfolgen rechnen. Es ist nicht erforderlich, dass bei der Promillefahrt Ausfallerscheinungen zu Tage treten. Allein das Führen eines Kraftfahrzeugs mit 0,5 Promille oder mehr reicht für die Tatbestandsverwirklichung aus. Kleinkrafträder, Mopeds und Mofas sind Kraftfahrzeuge im Sinne des gesetzlichen Tatbestands.

Geahndet werden allerdings bereits 0,3 Promille, wenn ab diesem Blutalkoholwert Fahrfehler begangen werden.

Seit dem 1.8.2007 gilt die 0,0 Promille-Grenze für Fahranfänger in der Probezeit und Jugendliche unter 21 Jahren. Verstöße werden mit einem Bußgeld und Punkten im Verkehrszentralregister geahndet. Zudem muss ein Schulungsseminar besucht werden und die Probezeit verlängert sich um weitere 2 Jahre. 

 

 

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Ich habe nach Rotweinkonsum öfter Probleme mit allergieähnlichen Symptomen. Was könnte die Ursache sein?

Trotz aller Wirkungen eines moderaten Weinkonsums auf die Gesundheit, in erster Linie auf das Herz-Kreislauf-System, zeigen einige Weininhaltsstoffe ein allergisches Potential. Dies trifft sowohl für Rot- als auch für Weißwein zu, obwohl der Rotwein erfahrungsgemäß das höhere Unverträglichkeitsrisiko birgt.

Fast alle Stoffe aus der Nahrung können Allergien auslösen. Im Wein werden in erster Linie "Katerstoffe" d. h. biogene Amine und Schwefelverbindungen diskutiert, um Unverträglichkeitsreaktionen zu erklären. Während zu den "Katerstoffen" vor allem höhere Alkohole, aliphatische Ester, Methanol und Acetaldehyd gehören, spielen diese hier jedoch eine untergeordnete Rolle. Das biogene Amin Histamin kann in höheren Konzentrationen solche beschriebenen Unverträglichkeitsreaktionen auslösen.

Der gesunde Mensch baut Histamin und andere biogene Amine mit enzymatischer Hilfe schnell ab. Besonders prädisponierte Personen, deren Abbaukapazität vermindert ist, können die von Ihnen beschriebenen allergieähnlichen Symptome zeigen. Für diesen - allerdings sehr kleinen - Personenkreis empfiehlt es sich, histaminreiche Nahrungsmittel (bestimmte Käsearten, Sauerkraut und fangfrische Fische) nicht zusammen mit alkoholhaltigen Getränken - also auch Wein - zu verzehren. Denn Alkohol kann (ebenso wie zahlreiche Medikamente) die Resorption von Histamin steigern und dessen abbauendes Enzym hemmen.

Der Histamingehalt verschiedener Weine korreliert eng mit

  • der Güte des Lesegutes,
  • der Art der Weinbereitung
  • und der für den biologischen Säureabbau eingesetzten Bakterienstämmen

Histamin u.a. biogene Amine können bei spontaner Gärung bereits nach der Lese oder beim Keltern der Trauben entstehen. Wie auch bei anderen Lebensmitteln kann insbesondere verdorbenes Lesegut vermehrt Histamin aufweisen. Größere Histaminkonzentrationen findet man aber nur in stark verdorbenen Weinen. Diese Weine fallen aufgrund ihrer erheblichen sensorischen Mängel mit großer Wahrscheinlichkeit durch die Qualitätsprüfung und sind als Qualitätsweine nicht verkehrsfähig.

Nennenswerte Mengen können aber auch nach der Gärung beim so genannten "biologischen Säureabbau" gebildet werden. Diese "Äpfelsäure-Milchsäuregärung" wird durch den Zusatz von Milchsäurebakterien in Gang gebracht und hat zum Ziel die Umwandlung von Äpfelsäure zu Milchsäure. Auf diese Art werden in der Regel säurereiche (d.h. neben Weinsäure liegt viel Äpfelsäure vor) Weine behandelt. Je nach eingesetztem Bakterienstamm kann dabei mehr oder weniger Histamin entstehen.

Weißweine enthalten durchschnittlich weniger als 1 mg Histamin/l, Rotweine dagegen drei- bis viermal mehr. Dies liegt u.a. an der sog. Maischegärung und dem verstärkten Säureabbau in der Rotweinherstellung. Studien weisen darauf hin, dass Konzentrationen ab 2 mg Histamin/l zu Problemen führen können.

Die Histaminkonzentrationen sind heute besonders bei sauber ausgebauten Weißweinen von guter Qualität verschwindend gering. Will man nicht gänzlich auf Weingenuss verzichten, ist daher der Weißwein vorzuziehen.

Siehe auch: "Schönungsmittel: Allergenes Potential?"

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Warum muss Schwefel in den Wein und in welcher Weise schadet es dem Körper?

Gemeint ist Schwefel in Form von schwefliger Säure bzw. Schwefeldioxid.

Das Schwefeln ist eine traditionelle antimikrobielle und antioxidative Maßnahme, die schon im griechischen Altertum praktiziert wurde. Bakterien, Schimmelpilze und damit Mykotoxine werden vermieden und der Wein vor zu schneller Oxidation geschützt. Dazu bindet der Schwefel auch unerwünschte Gärungsnebenprodukte und stabilisiert die "gesunden"  Polyphenole.

Die schweflige Säure wird im Körper zu Sulfat oxidiert und als solches ausgeschieden. Dies geschieht mit Hilfe von bestimmten Enzymen (Sulfitoxidasen), ohne die kein Leben möglich wäre. Denn täglich werden etwa 2.500 mg SO2 aus Nahrungseiweißen im Organismus gebildet, das entsorgt werden muss. Dazu kommt noch das Schwefeldioxid der Luft. Endogener "Schwefel" ist damit erheblich mehr vorhanden als der durch Wein zugeführte.

Übrigens: Schweflige Säure wird unter normalen physiologischen Bedingungen von Saccharomyces-Hefen bei der Gärung gebildet und liegt deshalb in allen Weinen in geringen Konzentrationen (bis zu 30 mg SO2/l) obligatorisch vor. Schwefelfreien Wein gibt es demnach nicht, nur welchen, dem kein Schwefel zugeführt wurde.

Vorsicht sollten allerdings "Sulfitallergiker" walten lassen. Bei ihnen können schon durch minimale Schwefelmengen das so genannte "Sulfit-Asthma" ausgelöst werden. Diese Personen sollten Wein und andere SO2-haltige Nahrungsmittel (z. B. Trockenfrüchte) meiden.

Seit November 2005 müssen gemäß der aktualisierten Richtlinie zur Lebensmittelkennzeichnung (2003/89/E6) Schwefel und andere potentielle Allergieauslöser auf Verpackungen von Lebensmitteln und damit auch auf dem Weinetikett "enthält Sulfit" angegeben werden.

Wie viel Schwefel ist im Wein?
Zulässige Höchstgehalte an gesamter schwefliger Säure:

 

Wein mit einem Restzuckergehalt von weniger als 5g/l

 

Rotwein: alle Qualitätsstufen

150 mg/l

Weißwein, Roséwein,Rotling

200 mg/l

Wein mit einem Restzuckergehalt von 5 g/l oder mehr

 

Rotwein:

 

Tafel- und Landwein, Qualitätswein, Kabinett

200 mg/l

Weißwein, Roséwein, Rotling:

 

Tafel- und Landwein, Qualitätswein, Kabinett

250 mg/l

Spätlese

300 mg/l

Auslese

350 mg/l

Beerenauslese, Trockenbeerenauslese, Eiswein

400 mg/l

Schaumweine:

Crémant

Schaumwein b. A. Sekt, Sekt b. A.

Schaumwein

 

150 mg/l
185 mg/l
235 mg/l

 


Sulfit/Schwefel



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