Neues aus der Wissenschaft

Weingenuss und langfristige Gewichtsentwicklung

Weintrinker sind seltener übergewichtig als Bier- und Spirituosenkonsumenten. Doch wie sieht es mit der Gewichtsentwicklung im Zeitverlauf aus, wenn sich der Getränkekonsum ändert? Dieser Fragestellung wurde nun erstmals nachgegangen. Dazu untersuchten amerikanische Wissenschaftler eine Untergruppe von knapp 15.000 Männern aus der großen Health Professionals Follow-up Studie (HPFS). Bei der HPFS handelt es sich um eine langjährige Beobachtungsstudie zum Einfluss von Ernährungs- und Lebensstilgewohnheiten auf die Gesundheit von Männern in Gesundheitsberufen. 

Moderater Weingenuss: keine signifikante Gewichtszunahme

Für das hier ausgewertete Teilkollektiv lagen Daten über die Veränderungen des Trinkverhaltens innerhalb von mehreren Vierjahresintervallen vor. Sie wurden in Beziehung zur Entwicklung des Körpergewichts der Männer gesetzt. Die Auswertung der Daten von insgesamt 44.603 Vierjahresperioden ergab folgendes: Wurde innerhalb eines Vierjahresintervalls pro Tag ein zusätzliches alkoholisches Getränk konsumiert, stieg das Körpergewicht der Männer im gleichen Zeitraum um durchschnittlich 104 g an. Handelte es sich bei diesem Getränk um Bier, nahmen die Männer im Mittel 132 g zu. Bei einem zusätzlichen Glas Spirituosen lag die Zunahme bei 173 g in vier Jahren. Im Gegensatz dazu kam es durch den Mehrkonsum eines Glases Wein pro Vierjahresperiode zu keiner signifikanten Gewichtszunahme. 

Bei Männern, die zu Studienbeginn jünger als 55 Jahre waren, war das Risiko zuzunehmen vor allem durch zusätzlichen Bier- und Spirituosenkonsum gesteigert. Weinkonsum erhöhte das Risiko in keiner Altersgruppe signifikant. Es spielte auch keine Rolle, ob der Body Mass Index (BMI) zu Beginn eines Vierjahresintervalls im Normalbereich (unter 25) lag oder im Bereich des Übergewichts (25 bis unter 30): In keiner Gewichtsklasse kam es durch ein zusätzliches Glas Wein zu einer signifikanten Gewichtszunahme.

Wein statt Bier?

Die Wissenschaftler schätzten sämtliche Gewichtsveränderungen zwar als nicht besonders besorgniserregend ein. Sie betonten aber auch, dass unter jenen, die durch den Mehrverzehr über den Rahmen eines moderaten Konsums hinaus kommen, das Risiko einer Gewichtszunahme deutlicher anstieg. Die Studie darf daher auch keinesfalls als Aufforderung verstanden werden, nun täglich ein Glas mehr zu trinken. 

Nach Ansicht der Forscher müssen die in der Studie gefundenen getränkespezifischen Unterschiede noch weiter untersucht werden, denn deren meisten Einzelergebnisse waren mehrheitlich lediglich Trends und keine signifikanten Ergebnisse. Allerdings liegen – wie eingangs erwähnt – bereits andere epidemiologische Studien vor, die bei moderatem Weingenuss entweder keinen Zusammenhang zum Körpergewicht fanden oder aber ein geringeres Gewicht unter Weinliebhabern. Es könnte also durchaus sein, dass der Weingenuss sich auch langfristig günstiger auf die Gewichtsentwicklung auswirkt.

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